Vier Anklagen und ein heikles Protokoll

Neben dem Langenloiser FPÖ-Politiker René Schimanek wird auch sein Bruder Hansjörg Schimanek wegen NS-Wiederbetätigung angeklagt, der Prozess findet im Februar statt.  Dessen Söhne Jörg und Jörn sitzen als Aktivisten der „Sächsischen Separatisten“ ab 23. Jänner in Dresden auf der Anklagebank. Das Protokoll der Hausdurchsuchung im Forsthaus Kronsegg zeigt ein erschreckendes Sittenbild.

Die Anklage gegen den Langenloiser FPÖ-Stadtrat Rene Schimanek wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung ist erhoben, nun werden neue Details bekannt. Wie dem Protokoll der Hausdurchsuchung vom 7. 11. 2024 zu entnehmen, war das Forsthaus bei der Ruine Kronsegg mit Erinnerungsstücken an die nationalsozialistische Ära regelrecht vollgestopft. René Schimanek war bekanntlich der Hauptmieter des Objekts.

Im Wohnzimmerregal standen Bücher wie „Die Waffen-SS an der Ostfront“, „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“, „Aufbruch ins Reich“, „Treu ihrem Volk“, ein „Deutsches Lesebuch für Jungen“, „Der Tod in Polen“ oder „Verbrannt bis zur Unkenntlichkeit – Die Zerstörung Dresdens 1945“.

Zum Teil an den Wänden, zum Teil in Schränken, im TV-Regal, zum Teil im Abstellraum oder auch am Dachboden fanden die Ermittler des Staatsschutzes eine Adolf Hitler-Büste, ein Porträt von Heinrich Himmler, ein Armband mit Sigrune, dem Emblem der Waffen-SS oder ein Eisernes Kreuz auf Tuch mit der Aufschrift „Aus dem Führerhauptquartier“. Insgesamt 58 kritische Objekte wurden sichergestellt, laut Ermittlern auch diverse „Mappen mit bedenklichem Inhalt.“ Als Wohnzimmerschmuck dienten drei Hellebarden, ein Speer und ein Degen; gefunden wurden außerdem ein Bajonett, sowie zwei Dolche, einer mit der Aufschrift „Meine Ehre heißt Treue“, der andere mit Hakenkreuz.

Neben Softgun-Waffen und historischer Munition, Flak-Hülsen und Handgranatenzündern fanden die Staatsschützer auch Soldatenausrüstung, Rucksäcke mit „taktischem Inhalt“, eine „taktische Weste“, einen Werkzeugsatz zur Sprengvorbereitung und fünf historische Feldtelefone. Überall im Haus verstreut gab es Soldatenfotos und Porträts aus dem 2. Weltkrieg, gemalte Soldaten-Bilder, auch das Porträt eines SS-Soldaten. Auf einem Foto hebt die abgebildete Person die Hand zum Hitlergruß, andere Fotos zeigen das Hakenkreuz. Eine Figur „Sturmtruppen“ zierte das Bücherregal im Wohnzimmer. Eine Puppe mit einschlägiger NS-Aufschrift wurde ebenso sichergestellt wie vier Schallplatten „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ – mit Reden des „Führers“ und anderer NS-Größen. Passend dazu das Wandbild: „Die Organisation der ‚NSDAP“.

Gefunden wurden auch Kinderzeichnungen, gekritzelte Soldaten sowie eine Zeichnung mit Judenstern, bei welchem „Judenvernichtung“ steht. Daneben zwei Spielzeug -LKWs, einer mit der Aufschrift „Auschwitz-Birkenau-Express“, der andere mit „Weltweit über 6 Millionen zufriedene Kunden“.

FPÖ-Stadtrat Schimanek hatte wie sein aktuell ebenfalls wegen Wiederbetätigung angeklagter Bruder Hansjörg jederzeit Zugang zum Fundort, dem Kronsegger Anwesen. Dessen Söhne Jörg und Jörn sitzen wiederum bereits ab 23. Jänner in Dresden auf der Anklagebank, auch sie waren, wie diversen Akten zu entnehmen, im Forsthaus zu Gast. Den beiden wird nun als Aktivisten der mutmaßlich rechtsextremen „Sächsischen Separatisten“ in Dresden der Prozess gemacht. Für alle genannten Mitglieder der Familie gilt die Unschuldsvermutung.

„Es soll wirklich niemand vorverurteilt werden“ betont Othmar Pruckner für die Langenloiser Initiative „Dialog und Demokratie“. Diese Gruppe setzt sich für eine offene Gesprächskultur ein, will informieren, aber auch „politische Grenzüberschreitungen“ aufzeigen. „Es spielt letztlich keine Rolle, ob der strafrechtliche Tatbestand der NS-Wiederbetätigung erfüllt ist oder nicht“, sagt der Journalist und Buchautor. „Aber ein Politiker, in dessen Haus derartig viel NS-Memorabilia, Waffen und Munition gefunden werden, ist in jedem Fall eine Belastung für die Gemeinde. René Schimanek sollte Anstand zeigen und umgehend seinen Stadtratssessel räumen“.

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